Saturday, 04. February 2012
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Der Turn- und Sportverein "Einigkeit" Melle e.V.

Turn- und Sportverein "Einigkeit": Dies klang den Briten 1946 zu "politisch". Trotzdem wünschten Sozialdemokraten keine Gemeinsamkeiten mit dem bürgerlichen Lager und lehnten daher einen einheitlichen Sportverband ab.
Grund dafür war aber insbesondere die eigene Tradition, denn ebenso wie Tura Melle blicken auch die Sportler in Rot-Weiß auf eine Historie zurück, die bereits weit vor der eigentlichen Vereinsgründung am 17. Januar 1946 eigene Früchte trug. Der Grundstein für die sozialdemokratischen Strömungen im Meller Sport wurden am 8. Januar 1909 mit dem "Arbeiter-Turnverein Einigkeit" von Karl Götze gelegt.

Damals galt ein Sportverein bereits als politisch, wenn zum Ende der Turnstunde ein Lied der Arbeiterbewegung gesungen wurde, und als die sozialdemokratischen Sportler auch noch an Maikundgebungen während des Kaiserreiches teilnahmen, "hagelte" es Vereinsauflösungen. Zu Beginn des dritten Kriegsjahres ruhte der Arbeitersport komplett, und erst 1919 wurde er wieder aufgenommen.

Dass die "Einigkeit" schon damals nicht nur an Leistungssport interessiert war, sondern immer wieder auch ein Angebot fern des reinen Wettkampfstrebens präsentierte, zeigte sich schon in den 20er Jahren. Wurde 1923 die erste Handballmannschaft für den regulären Spielbetrieb angemeldet, folgte in der zweiten Hälfte der 20er Jahre eine Kinderturnabteilung, und 1929 erfreute sich "urplötzlich" das Frauenturnen einer überraschend großen Beliebtheit.
Schon kurz nach der "Machtergreifung" schoben die Nationalsozialisten dem Arbeitersport einen Riegel vor und lösten den Verein auf. Trotzdem bewiesen die Sportler großen Mut, denn zwei Tage später veranstalteten sie am 27. März 1933 im Pottschen Saale ein letztes Turnerfest vor 800 Zuschauern, ohne dass sie von den SS-Schergen behelligt wurden.

Bei den Gründen, warum sie sich am 17. Januar 1946 nicht den Turanern anschließen wollten, sondern unter Vorsitz von Franz Maßmann eigene und anfangs durch die Briten boykottierte Wege beschritten, schweigen sich die Chronisten aus. Als Begründung wurde lediglich angegeben, dass der Arbeitersport keine Konfrontation mit dem bürgerlichen Lager wünschte.
Nachdem sich 1947 die "Einigkeit" gegenüber dem Votum der Briten behauptet hatte, wurde ein Pachtvertrag mit der Familie von Bar auf Gut Bruche abgeschlossen, um ein Vereinssportgelände zu erhalten. Sechs Jahre später konnte an der Waldstraße der erste Sportplatz eingeweiht werden. 1954 wurde dann der angrenzende Kotten gekauft und in ein Vereinsheim umgewandelt. Mit Gründung der Karnevalsgesellschaft "Rot-Weiß" riefen sie 1960 einen bis heute bedeutsamen Spartenverein ins Leben, und in den 70er Jahren wurde das Angebot insbesondere durch die Gründung einer Tischtennis-Abteilung erweitert.

Nachdem Gottfried Müller 1978 den Vorsitz übernommen hatte, gewannen in den 80er Jahren die Breiten- und Trendsportarten wieder an Bedeutung. Erstmals 1980 wurde Jazzdance beim TuS Melle angeboten. Im darauffolgenden Jahr schlossen sich Volleyball und Radsport an. Die 90er Jahre waren dann überwiegend durch Umbauten- und Erweiterungsmaßnahmen rund um das Vereinsheim geprägt.
Diese erreichten zur Jahrtausendwende ihren Höhepunkt, als 2000 das neue Sportlerheim in Alpenbauweise an der Waldstraße eingeweiht wurde. Zusätzlich wurde eine Geschäftsstelle eingerichtet und als Immobilie war der Bau zu Recht der ganze Stolz der TuSler. Errichtet wurde er in mühsamer Schweißarbeit insbesondere von den Fußballern des Vereins.

Im März 2003 zählte TuS Melle ca. 2150 Mitglieder.